Die Sache mit dem Witz

Es ist ja nun so eine Sache mit dem Humor. Man kann Kafkas "Der Prozess" natürlich humorig finden. Und man kann ihn auch so inszenieren. Geschehen in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg für die Münchner Kammerspiele, gesehen letzten Freitag im Rahmen des Theatertreffens. Aber wenn man eine Schwarz/Weiß Komödie mit acht Charlie Chaplins draus macht, muss dann auch damit gerechnet werden, dass man den Teil des Publikums nicht erreicht, der durch Schenkelklopfer eher ab- als angeregt wird.
Die Aufführung darauf zu reduzieren wäre natürlich falsch und zu kurz gegriffen. Das Bühnenbild und die Kostüme sind mit großem Aufwand effektvoll surreal und die Schauspieler haben genügend Kondition für die kaum gekürzte Dialoglawine und die akrobatischen Kletterübungen an der schräg gestellten Zimmerwand.
Aber, alles in allem war da zu wenig Mut zum Bruch. Da ging alles ein wenig zu glatt (münchnerisch?) über die Bühne, da fehlte mir die bedrückende Dringlichkeit der kafkaesken Szenen und Texte, da mangelte es an Erschöpfung, Fehlern und Verzweiflung. Die fabulöse Verwirrung der Aufklärungsszene mit dem Maler Titorelli (ja, der Name ist lustig) verschwindet hinter der Honorierung der schauspielerischen Ausdauer, die absurde Kopf-in-den-Sand Motivation der Umwerbung von Fräulein Bürstner (ja, noch ein lustiger Name), Leni und all der anderen verliert sich in clownesken Kussübungen und die erdrückende Hoffnungslosigkeit der Hinrichtungsszene wird von einer platten Kreuzigungschoreografie zugepappt.
Die wirkungsmächtigen und sauber inszenierten Bilder beherrschen diese Version von Kafkas "Der Prozess", vor lauter Bildern kommt man jedoch kaum zum Stück. Ja, ich verließ das Theater unzufrieden.
Foto: nach der Aufführung verbeugen sich die acht Josef K.s mit dem Regisseur


1 Kommentare:
einen hübschen blog hast du da!
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