Einheits.Kultur

Als Blogger wird man ja gerne mal gefragt, wie das jetzt eben sei, mit der Zukunft der Modemagazine und ob man diese jetzt abschaffen wolle. (Kürzlich ging die Frage an Julia von LesMads) Und natürlich ist dem nicht so. Diese Frage stellt sich mir gar nicht und kommt meist nur aus dem Mund verunsicherter Journalisten, die ihre Felle virtuell wegschwimmen sehen.
Für mich gilt: die neuen online Angebote verändern die Magazinlandschaft, denn sie machen sie in erster Linie sehr viel besser. Wenn den Magazinen die Last der Informationsweitergabe genommen wird, haben, oder besser: hätten sie mehr Zeit für tiefsinnigeren und kreativeren Inhalt. “It’s got to be more about experiencing the fashion; a stylistic point of view. It’s less and less about information” sagt Jefferson Hack, der Gründer der Dazed Group dazu in einem von BoF veröffentlichten Special zur Zukunft der Magazine.
Das gilt natürlich auch Online - wie wir ja auch am Samstag immer wieder betonten - denn es kann für die meisten (Teilzeit)Blogger auch hier weniger um die Schnelligkeit gehen, als vielmehr um den Standpunkt, die eigene Meinung und die Darstellung der eigenen Erfahrung. Kurz also: die Abgrenzung vom Einheitsbrei. Da sind wir in Deutschland noch auf einem längeren Weg, Fashionblogs sind oft zu brav und zu vorhersehbar.
Eines der wunderbaren Beispiele, was mit Magazinen (immer noch) möglich ist, kommt aus den Händen des Berliners Kai von Rabenau: Mono.Kultur nimmt es sich heraus ein Heft einer Person zu widmen. Die aktuelle Ausgabe stellt in einem 24seitigen Interview Dries van Noten auf schlichtem Papier durchsetzt von Hochglanz Fotos seiner aktuellen Kollektion vor. Soviel tiefer kann man gehen, wenn man soviel Platz hat, soviel mehr kann man fragen und erfahren, wenn das Interview nicht auf 5000 Zeichen beschränkt wird. Und genau solche Magazine wird es immer geben.
Mono.Kultur #20: Dries Van Noten. A World in Season. Spring 2009. D 4€, EU 5€, WW 6€


9 Kommentare:
Modemagazine wird es immmer geben. Ihre Zukunft ist rosiger, als für ihre Printkonkurrenz. Es verhält sich ähnlich wie bei Boulevardzeitungen. SIe leben von Bildern, von großflächiger Ansicht, vom blättern und schmökern.
Ich denke, lange Texte werden online mehr und mehr gelesen. Aber Modemagazine bieten mehr als Information. Die Komposition von Bild und Text über Seiten hinweg kreiren ein Gefühl von Wertigkeit.
Magazine müssen sich Büchern nähern, zeitlos werden. Aber viele haben das ja schon geschafft. Warum würden wir sie sonst sammeln, und selbst Jahre später wieder hervor kramen?
das find ich gut
Sich Büchern anzunähern und die Relevanz über den Erscheinungsmonat hinaus behalten ist zweifelsohne ein Punkt, den Magazine beachten werden müssen.
Da kommt es nicht nur auf Bild und Text, sondern zum Beispiel auch Layout, Papierwahl, Format usw usf an - man hat im Printbereich einfach noch sehr viele haptische Kriterien, die man kreativ verändern kann und die zu einer Aufwertung führen (können)
guter punkt! diese ewige frage/furcht nach/vor dem verschwinden der großen magazine kann ich ebenfalls nicht mehr hören, geschweige denn verstehen. so sehr ich im netz "lebe" und an die schnelligkeit beispielsweise der einsicht der neuesten kollektionen gewöhnt bin, um so mehr freue ich mich jedes mal, die zwar schon bekannten bilder monate später mit mehr zeit und aufmerksamkeit in printtiteln genau unter die lupe zu nehmen. print bleibt print und bekommt - zumindest von mir - nach wie vor ganz besondere und *liebevolle* aufmerksamkeit.
im grunde geht es um die finanzierung von content. etwa um den werbemarkt, und der verlagert sich nunmal gerade aus kostengründen von print auf online, daher die angst...
deswegen wird sich print wie ihr schon sagt auf seine tugenden besinnen müssen...
aus Kostengründen allerdings zu online, weil das immer noch zu billig ist - da bekommt man zum Teil unglaubliche Angebote - aber, auch das wird sich ändern. Online wird kosten was es verdient und Print deshalb weiter funktioniere. Die Werbeseiten bei der Pariser Vogue würde ich, ganz frank und frei, mal eben mit zum Content rechnen. Denn die dort gezeigten Kampagnen sind hoch- und eigenwertig.
ja, genau, wir (teilzeit)-bloggerInnen sollten zugunsten eigener schwerpunktsetzung mut zur lücke zeigen! und vielleicht sollten wir auch einfach noch ein bisschen mehr phantasie entwickeln- abgestimmt aufs eigene blogprofil.
wunderbar dass mono.kultur hier auch einmal vorgestellt wird! natürlich ist es ein Paradebeispiel für Meinungs(ab)bildenden Printjournalismus dessen Konzept wiederum ein riskantes ist, wäre man (als kleines Unternehmen) hauptsächlich auf den Verkauf des Heftes angewiesen.
Interessant ist es vielleicht auch einmal die 'Trendfrage' zu erörtern: dient öffentliche Meinungsäußerung denn ausschließlich zum Selbstzweck oder auch zur Selbstdarstellung mit dem Hintergedanken eines Trendgebärens, welches wiederum den 'Absatz' des eigenen Produktes (den Blog, die Zeitschrift, der Designer etc.) fördern soll?
danke für den Beitrag *
gruß
schon fast vergessen hatte ich es. eine ganz fantastische idee! und ich sehe das GENAUSO wie du und Jefferson Hack :) Positionierung ist alles! Künftig wird es einfach mehr und den richtien Platz in der Publikationsflut gehen und weniger um das Medium. Jeder sollte schlichtweg das tun, was er am besten kann, dann haben wir alle etwas davon!
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