Das ist ein Thema! Und nicht Gut und Böse.

Wenn man verlauten lässt, dass man Pollesch mag, hört man gern mal "Ach, der macht doch immer das selbe." Oder "Kennste einen, kennste alle." Stimmt so. Stimmt so nicht. Pollesch ist eben einer, der sich immer wieder Fragen stellt, Antworten gibt, die mehr Fragen aufgeben, die wieder Thesen erfordern. Und wenn die Spielzeit zu Ende ist, geht's eben im nächsten Stück weiter.
Heute gab es für mich dann endlich mal die Fortsetzung des letzten Gesellschaftsspiels: Ein Chor irrt sich gewaltig.
Pollesch ansehen ist ja eine Reise ins Absurde, positiver ausgedrückt, eine Reise ins 'Wie es sein sollte'. Dann würden sich scheidende Liebhaber nicht schimpfende Worte um die Ohren hauen, sondern zwischendrin den sprachlosen Kapitalismus diskutieren oder sich fragen, wie lange sie es noch schaffen die Zeit seit dem letzten Ende des Sozialismus zu überbrücken. Wenn der Chor dann noch uniformiert in Rokoko Kleidern aus Afrika-Internet-Stoffen erscheint und Sophie Rois ertränkt, kann man sich ja nur noch auf die (bisher leider unangekündigte) Fortsetzung freuen.
René Pollesch: Ein Chor irrt sich gewaltig. Volksbühne im Prater, Berlin, 31.10.2009, 5.11.2009


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