Monday, September 21, 2009

Äh, ja, äh, das Glück

Wilhelm Meisters Lehrjahre

Das war jetzt ziemlich schwierig, mir zu überlegen, was nach DEM Posting kommen könnte. Deshalb hat es auch so lang gedauert. Kommen kann Friederike Hellers Inszenierung von Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre am Dresdner Schauspielhaus. Teil der vier Premieren Strategie, mit der Dresdens neuer Intendant zeigen will, wohin es geht, hieß es. Und zeigen will, was die Dresdner Bühne alles kann - sich drehen, verschieben, abbrennen, fliegen, samtrot werden, wald, eisenbahn, konzerthaus und nazi stadion zugleich sein. Zwischendrin Christian Friedel, der trotz plumper Körperhaltung überraschend fit zwischen den Eisenstangen herumturnte, von Szene zu Szene fiel und sich von Dialog zu Monolog hangelte. Auf jeden Fall gut ist auch das Ende, wenn nach den Gedonner, Geballere und Getöse hinter dem geschlossenen Samtvorhang nur noch ein "äh, ja." zu hören ist.
Großartig: Kante, die Goethe live ver- und betonten.

Bühne und Kostüme: Sabine Kohlstedt; Dramaturgie: Martin Heckmanns, Robert Koall
Termine: 24.09., 01.10., 05.10., 09.10., 14.10., 30.10., 07.11.

Monday, September 7, 2009

the internet is for free



Vor einem Jahr hat die mittlerweile schon wieder eingestellte Zeitschrift "Young" des Burda Verlags NEUN meiner Stil in Berlin Bilder für eine siebenseitige Story verwendet. Ohne Erlaubnis. Ohne Credit. Ohne Honorar. In mehreren Telefonaten wurde ich erst gefragt, wie ich das denn bitte mitbekommen hätte. Dann wurde mir gesagt, man hätte ja versucht, mich zu erreichen. Und zur Rechnung verlangten sie eine eidesstattliche Erklärung. Meine Honorarforderung orientierte sich im übrigen an meinen üblichen Preisen, die auch andere Verlage wie Condé Nast, Jahreszeiten oder der Bauer Verlag zahlen und an den üblichen Honorartabellen der MFM und der VG Bild. Plus dem üblichen 100 % Aufschlag für den fehlenden Credit.
Daraufhin kontaktierte mich der geschäftsführende Redakteur und bat mich, auf den Aufschlag zu verzichten, man wolle ja auch in Zukunft gern mit mir zusammen arbeiten. Ich lehnte das ab, denn bisher verwendete man meine Bilder ja auch lieber ungefragt, als mit mir zusammen zu arbeiten, und ein konkretes Projekt hatte er auch nicht in der Tasche. Der Burda Verlag überwies dann den halben Rechnungsbetrag, es sei das Honorar, das man auch Profifotografen zahle, der Aufschlag sei eingerechnet.



Mahnungen halfen nicht, Anwaltsbriefe wurden spät damit beantwortet, dass ich den Rest einklagen müsste. Später klärte der Chefredakteur, den ich durch Zufall bei der Fashion Week kennen lernte, mich darüber auf, dass eine Bildredakteurin - meinetwegen - nun arbeitslos sei.
Also reichte ich Klage ein. In der letzten Woche war die Verhandlung, zu der ein Anwalt aus München nach Berlin gereist kam, um mich und meine Argumentation klein zu reden. Am 12.10. wird das Urteil verkündet.

Die Summe, die ich noch einfordere, ist nicht sonderlich hoch. Geklagt habe ich natürlich, weil für mich eine kleine Summe trotzdem ziemlich viel Geld ist. Und weil ich im Recht bin: weil es nicht sein kann, dass ein Verlag, der derzeit wie kaum ein anderer darauf pocht, dass das Internet kein Umsonst-Laden ist, sich dann dort einfach bedient, wissend, dass sie im Unrecht sind.


Update, 13.10.2009: Gute Nachrichten