Kaja Silverman
Der Blick ist glücklicherweise nichts Einmaliges oder Endgültiges.
Der Mensch ek-sistiert, das heißt, die Welt ist ihm unmittelbar nicht zugänglich, so daß Bilder sie ihm vorstellbar machen sollen. Doch sobald sie dies tun, stellen sie sich zwischen die Welt und den Menschen. Sie sollen Landkarten sein und werden zu Wandschirmen: statt die Welt vorzustellen, verstellen sie sie, bis der Mensch schließlich in Funktion der von ihm geschaffenen Bilder zu leben beginnt. Er hört auf, die Bilder zu entziffern und projiziert sie statt dessen unentziffert in die Welt "dort draußen", womit diese selbst ihm bildartig - zu einem Kontext von Szenen und Sachverhalten - wird.
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Die Entdeckung der Aussagekraft des Inszenatorischen ist einer der wichtigsten Aspekte der "Oberflächlichkeit". Es gibt offenbar auch einen Weg, seine Gedanken zu vermitteln, eine Aussage zu machen, die nicht über die Wahrhaftigkeit, die Authentizität, das Wahrheitspathos, führt. In der Kunst, so ließe sich dieser Standpunkt zusammenfassen, gibt es keine Lüge, Hauptsache das Werk arbeitet.
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Die Emanzipation beginnt dann, wenn man den Gegensatz zwischen Sehen und Handeln in Frage stellt, wenn man versteht, dass die Offensichtlichkeiten, die so die Verhältnisse zwischen dem Sagen, dem Sehen und dem Machen strukturieren, selbst der Struktur der Herrschaft und der Unterwerfung angehören. Sie beginnt, wenn man versteht, dass Sehen auch eine Handlung ist, die diese Verteilung der Positionen bestätigt oder verändert.
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